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Über Jean Beck wird von Zeitgenossen berichtet, dass er höchst erfolgreich für die Metall-, Glas- und Keramikindustrie arbeitete, die seine Entwürfe in metallgefasstes Glas, so genannte Montierungs-gläser, oder Keramik umsetzten. Seine Auftraggeber seien nicht nur in Deutschland, sondern säßen auch in den Niederlanden, Italien und der Schweiz.(3)
Abb. 2. Ernst Jaffé, Artikel über Jean Beck, 1913
Doch es ist erstaunlich, wie wenig Informationen die zeitgenössische deutsche Fachliteratur über den Mann preisgibt, der doch einen so bedeutenden Namen im Ausland gehabt haben soll. Die primäre Quellenlage über Jean Beck ist spärlich und kann daher nicht alles belegen, was in zeitgenössischer Fachliteratur über ihn zu lesen ist. Ein geschlossener Nachlass mit Korrespondenz, Skizzenbüchern oder Modellen hat sich nicht erhalten, um sein künstlerisches und unternehmerisches Netzwerk lückenlos rekonstruieren zu können.
Seine Zeitgenossen besprechen seine Gläser nur sehr selten in den einschlägigen Fachzeitschriften für Kunstgewerbe, dazu gehören das Organ des Bayerischen Kunst- und Gewerbevereins, in dem er auch Mitglied war, und das preußische Monatsheft des Velhagen & Klasing Verlags. Eine erste umfangreiche Würdigung erhielt Beck 1913 durch Ernst Jaffé in der Monatsbeilage einer Spezialzeitschrift für Porzellan und Glas.
Abb. 3. Werbung in der Zeitschrift Die Jugend, 1911
Erstmals 1919 erscheint in der Münchener Zeitschrift „Die Kunst, Monatshefte für freie und angewandte Kunst“ etwas über ihn. Und doch hatte Beck in derselben Stadt bereits seit über zwei Jahrzehnten ein eigenes Atelier und war wohl seit 1908 mit Gläsern auf Messen präsent.
Später, als der Deutsche Werkbund seine Zeitschrift „Die Form“ gegründet hatte, wird Beck in dem ersten Zeitraum ihres Bestehens von 1922 bis 1935 nie eigens besprochen. Lediglich Becks Aufruf in einer Pressemitteilung des Messeamtes Leipzig, das Kunsthandwerk zu stärken, wird dort heftig kritisiert.(4)
Grund für diese zurückhaltende Berichterstattung oder sogar für ein bewusstes Negieren seines Schaffens mag mit seinem ehrgeizigen Bestreben zu tun gehabt haben, einen Professorentitel beim bayerischen Staat trotz fehlender Unterrichtstätigkeit zu erwirken. Er selbst begründet dieses Vorhaben etwas eigentümlich, nämlich dass er durch diesen Titel ökonomisch erfolgreicher wirtschaften und daher die bayerische Wirtschaft davon profitieren könne. Seine ersten beiden Versuche zwischen 1912 und 1918, diesen Titel zu erwerben, scheiterten, da einige Münchener Kunstgewerbler sich gegen ihn aussprachen. Dazu gehörten Richard Riemerschmid, damaliger Leiter der Münchner Kunstgewerbeschule, Mitglied des Münchner Bundes und des Deutschen Werkbundes (5), und Bruno Mauder, Direktor der Fachschule für Glasindustrie und Holzschnitzerei in Zwiesel, ab 1919 im Deutschen Werkbund – letzterer erhielt 1916 den Professorentitel: Die Arbeiten des geschäftstüchtigen Entwerfers erfüllten nicht die künstlerische Voraussetzung. Darüber hinaus warf man ihm vor, Entwürfe anderer unter seinem Namen zu verkaufen. Und schließlich kritisierte man seine kommerzielle Ausrichtung, er messe seine künstlerische Leistung nur über seinen wirtschaftlichen Erfolg und nehme dabei das Urteil des Publikums zum Maßstab. Die geringe Achtung in Kunstgewerbekreisen wurde durch seine selbstbewusste, aufdringliche Art noch verstärkt.(6) Dies wird wiederum der Grund gewesen sein, warum Beck sich im Gegenzug den Anfeindungen gegen Bruno Mauder anschloss, wie Schöne-Chotjewitz nachweisen konnte.(7)
Becks dritter Versuch war 1924 erfolgreich. Aufgrund dieser langjährigen Bemühungen haben sich einige Empfehlungsschreiben diverser Firmen erhalten, deren Zusammenarbeit mit Beck damit belegt ist. Resultat dieser Titelvergabe aber war, dass sich der Münchener Bund und der Bund Deutscher Architekten in Bayern in einem Schreiben an das Staatsministerium für Unterricht und Kultus 1924 von ihm distanzierten und der zugereiste Saarländer damit in München isoliert wurde:
„Sollte durch diese seine Ernennung erneut ermutigt, dieser Herr irgendwelche Versuche unternehmen, sich in unser öffentliches künstlerisches Leben einzumischen, so würden sie genötigt sein, als Akt der Notwehr das vorhandene Material der Öffentlichkeit zuzuführen." Dies wiederholte der Münchener Bund auch öffentlich in einem Leserbrief an die Münchener Neueste Nachrichten (4. Juli 1924).
Da der Münchener Bund auch in enger Verbindung zum Deutschen Werkbund stand, ist verständlich, dass Jean Beck seit Mitte der 1910er Jahre von wichtigen kunstgewerblichen Veranstaltungen ausgeschlossen war. Eine Mitgliedschaft in einer der beiden Vereine ist auch nicht bekannt.(8)
Diese Ausgrenzung führte wahrscheinlich dazu, dass er sich außerhalb Münchens bzw. Bayerns engagierte. Er ist Initiator des Gutachter-Ausschusses für Musterrechtsverletzung des Leipziger Messeamtes, in dem er von 1921 bis zu seinem Tod Mitglied war. Weiter betätigte er sich als Mitglied im Nürnberger Bund (gegr. 1901), ursprünglich ein Interessensverband für den Einzelhandel keramischer Erzeugnisse, der ab 1913 auch die Fachgeschäfte für „den gesamten Hausrat“ (9) vertrat, somit auch für Glas- und Luxuswaren. Unter dem Mitbegründer und langjährigen Leiter des Nürnberger Bundes, Theodor Wieseler, der Werkbund-Mitglied war, stand der Nürnberger Bund auch dem Deutschen Werkbund nahe.
Text von Xenia Riemann
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