top3
Über Jean Beck - Glashütten


Glashütten Drucken E-Mail

Jean Beck hat seine Gläser in verschiedenen Hütten des Bayerischen Waldes  produzieren lassen.

 

Schlierseer Hütte

schliersee600

 

Schlierseer Hütte (Foto: Gemeinde Schliersee)

 

Die Glashütte Schliersee, die „Glasfabrik Breitenbach“, bestand von  1867 – 1914  in der Gemeinde Schliersee im Landkreis Miesbach etwa 60 km südöstlich von München; sie war um 1900 eine der  bedeutendsten Glashütten  des Bayerischen Jugendstils.  Gegründet wurde die Fabrik  von Georg Schiedermeier, dem Besitzer einer Glasschleiferei in Zwiesel. 1901 fusionierte sie  mit der Regenhütte und der Hütte in Ludwigsthal in der Nähe von Lindberg; in der Folgezeit wurden die drei  Hütten unter dem Namen „Vereinigte bayerischen Krystallglas AG“  geführt. Seit 1908 geriet die Schlierseer Hütte mehr und mehr in wirtschaftliche Schwierigkeiten, am Beginn des ersten Weltkrieges kam es 1914 zur Stilllegung. Nach dem Ende des Krieges wurde versucht, die Fabrik wieder ins Leben zu rufen, wegen der wirtschaftlichen Verhältnisse konnten aber die Pläne nicht verwirklicht werden. Auf dem Gelände der Hütte befindet sich heute ein Sägewerk.

Bekannt wurde die Hütte besonders durch die sog. Schlierseer Vasen; diese sehr hohen Vasen werden noch bis heute in abgewandelter Form von vielen Glasfabriken  Europas produziert.

Jean Becks erste Entwürfe wurden in Schliersee gefertigt. 

Jean Becks Firma lag in der Münchner Schwindstraße in der Nähe verschiedener Glasmalerfirmen, die ihre Gläser teilweise aus der Glashütte Schliersee bezogen. Es könnte also sein, dass Jean Beck über diese Firmen die ersten Kontakte zu der in der Nähe von München arbeitenden Glashütte geknüpft hat.

 

Regenhütte

regenhuette600

 

Regenhütte (Foto: Christiane Sellner)

 

Die Regenhütte im Bayerischen Wald  wurde um 1744 von Felix Martin Kisling als „Rabensteiner neue Hütte“ gegründet und produzierte überwiegend Tafelglas. 1755 wird sie in einem Kartenwerk erstmals als „Glashütten an der kleinen Devenik“ kurz vor der Einmündung in den „grossen Regen Fluss“ erwähnt. 1863 kam es zu einem Neubau durch  Wilhelm Steigerwald;  1865 nahm sie darin  ihren Betrieb auf. Die Hütte brannte mehrfach ab; das noch heute existierende Gebäude wurde 1873 errichtet.

1901 erfolgte die Gründung der „Vereinigte Bayerische Krystallglas AG“, ein Zusammenschluss der Werke Regenhütte, Ludwigsthal, und Schliersee; der Firmensitz war München. 1905 wurde die  Firmenbezeichnung der Glashüttengesellschaft geändert, sie hieß jetzt:  „Bayerische Krystallglasfabrik vorm. Steigerwald Aktien-gesellschaft“. Der Firmensitz wurde von München nach Ludwigsthal verlegt.

In einem Wirtschaftsbericht der Handels- und Gewerbekammer für Niederbayern 1907 werden die Schwer-punkte der drei vereinigten Hütten so beschrieben:

Regenhütte: Glasfabrikation von Hohlgläsern, in der Hauptsache Luxus-Tafelservice und Trinkgefässe

Ludwigsthal (verpachtet): Tafelglasproduktion

Schliersee: Kristall- und Farbenglasproduktion, namentlich für Dekorationszwecke

Ab ca. 1910 werden in der Regenhütte alle Arten der Veredelung betrieben;  es gibt sowohl eine Glasschleiferei, als auch eine Gravurabteilung und  eine Glasmalerei. Spätestens seit diesem Zeitpunkt ist die Regenhütte eine der wichtigsten Hütten des Bayerischen Waldes.

1916 trat Jean Beck als Gesellschafter in die Regenhütte ein; nach Streitigkeiten gab er die Teilhaberschaft 1920 wieder auf. Allerdings blieb er der Firma  als Abnehmer von Glas und als zeitweiliger Kreditgeber auch weiterhin verbunden. 1932 wurde er sogar zusammen mit seiner Frau Anna wiederum Gesellschafter und blieb dies bis zu seinem Tode.

Insgesamt war die Beziehung zwischen Jean Beck und der Hütte nie frei von Spannungen. Als es z.B.  um 1934 zu Auseinandersetzungen über die Frage kam, ob man nicht zur einstigen hochqualitativen und künstlerischen Handarbeit früherer Jahre zurück kommen sollte, ließen ihn die Hauptgesellschafterin und die Geschäftsleitung anwaltlich mitteilen, er solle mit seinen „Vorschlägen“ nicht mehr weiter versuchen, den normalen Fortgang der Geschäfte der Regenhütte zu stören.

 

1986 ging die Regenhütte in Konkurs.

 

Gistl-Hütte

regenhuettesellner650hell

 

Gistl-Hütte (Foto: Christiane Sellner)

 

1906 pachtete der Glasmacher und  frühere Direktor der Regenhütte Isidor Gistl (1868 – 1950) die alte Poschinger Hütte im Frauenauer Ortsteil Moosau. Über vier Jahrzehnte hat er mit dieser damals  wohl wichtigsten Frauenauer Hütte Kultur und Wirtschaft des Gebietes entscheidend geprägt; zeitweise beschäftigte die Hütte 500 Personen und wurde damit zum wichtigsten Arbeitgeber der Gemeinde.

1923 erfolgte die Grundsteinlegung einer neuen Hütte direkt neben den alten Gebäuden. Bezahlt wurden der Neubau und auch die Arbeiter in der Inflation vom August  bis Ende November 1923 mit Notgeld, das Isidor Gistl selbst drucken ließ. Die 1925 nach den Plänen des bekannten Architekten Georg Pabst fertig gestellte Hütte galt als eine der modernsten  Kristallglasfabriken Europas; die Qualität und der Erfolg  der in der Gistl Hütte gefertigten Gläser trug in den Folgejahren ganz wesentlich zum weltweiten guten Ruf des Frauenauer Glases und zur Entwicklung des Ortes bei. Schon bald ließ der inzwischen zum Kommerzienrat aufgestiegene Gistl über 150 Werkswohnungen, eine Gastwirtschaft und den damals größten Veranstaltungsbau des Bayerischen Waldes, den Gistlsaal, in der ständig wachsenden Gemeinde bauen.

Auch nach dem zweiten Weltkrieg machte die Hütte gute Geschäfte; noch in den 60-Jahren war sie die bedeutendste Glashütte Frauenaus mit den meisten Beschäftigten.

Nach Gistls Tod führte seine Frau bis 1957 die Geschäfte; es folgten unruhige Zeiten :Zuerst war die Hütte  unter der Leitung der Familie Meißner im Besitz einer Erbengemeinschaft, 1970 wurde sie von  dem Eigentümer der Glashütte Spiegelau, einem holländischen Konzern, übernommen,  danach wurde sie zum Zweigwerk der Kristallglasfabrik Spiegelau GmbH.

Mit der Verlegung der manuellen Hohlglasfertigung nach Spiegelau und der Einführung  einer automatischen Fertigungsstrasse in Frauenau verringerte sich die Zahl der Beschäftigten ganz wesentlich, nur ca, 120 Frauenauer waren  Mitte der 70-er Jahre noch in der Hütte beschäftigt. 1990 kaufte die Fa. Nachtmann die Gisthütte und die Hütte in Spiegelau; 2004 wurde die Fa. Nachtmann von Riedel Glas übernommen.

Die Gastwirtschaft ist zum Treffpunk der Jugend des Zwieseler Winkels geworden, in einigen Nebengebäuden führt das bekannte Bildwerk Frauenau seine Kurse durch.

 

Poschinger Hütte Moosau

poschingerhuette600

 

Poschinger Hütte (Foto Glasmanufaktur von Poschinger)

 

Die Zusammenarbeit Jean Becks mit der Moosauhütte in Frauenau ist seit 1923 nachgewiesen; betrieben wird die Hütte von den Freiherren von Poschinger, die auf eine mehr als 400-jährige Tradition in der Glasherstellung zurückblicken können.

1568 erwarb Johann Poschinger das Glashüttengut Zadlershütte in Zwieselsau in der Nähe von Frauenau, 1605 sein Sohn Paulus die Glashütte „Unserer Lieben Frauen Aue samt Zubehör“ und das dazu gehörende Hüttengut in Oberfrauenau; damit nahm die längste Glashüttentradition der Welt in Familienbesitz seinen Anfang. In den folgenden Jahrhunderten betrieben die verschiedenen Zweige der Familie Glashütten auch in Oberzwieselsau, Theresienthal, Spiegelhütte und Buchenau.

Ein  Höhepunkt war die Buchenauer  Glasproduktion in der Zeit des Jugendstils; bei  der Weltausstellung in Paris 1900 wurden die Buchenauer Gläser der Maler und  Entwerfer  Julian Diez und Carl Schmoll von Eisenwerth mit einer Silbermedaille ausgezeichnet.

In den Folgejahren gestalteten u.a. die berühmten Entwerfer Carl Georg von Reichenbach, Richard Riemerschmied, Albert Niemeyer, Albin Müller und Peter Behrens Gläser für die Hütten der Familie von Poschinger.

1890 wurde die Eisenbahnstrecke Grafenau-Zwiesel eröffnet und damit eine gute Verkehrsanbindung an die „Bayerische Waldbahn“ geschaffen; 1895 wurde die Glashütte von Oberfrauenau an den heutigen Standort in die Nähe des Bahnhofes Frauenau, in die Moosau, verlegt. Unter der Leitung von Benedikt Freiherr von Poschinger  wird in der Hütte noch heute mundgeblasenes Glas produziert.


 

 

Quellen:

Christiane Sellner: Gläserner Jugendstil aus Bayern. Die Poschinger- und Steigerwaldhütten 1890-1914 mit den Inventurzeichnungen aus Regenhütte und Schliersee, Grafenau 1992

 

Alfons Hannes,  Gläser aus dem Bayerischen Wald, Morzak Verlag, 1975

 

Hubert Ettel, Auf dem Weg in eine neue Zeit, frühe Industrie im Bayerischen Wald, Viechtach 2003

 

Firmenarchiv Poschinger

 

Hans Lettenmayer, Chronik  des ehemaligen Glasmacherdorfes Regenhütte im Bayerischen Wald, Dorfverein Regenhütte, 2000

 
© 2010 glasklar.biz München ⋅ Hübnerstr. 22 ⋅ 80637 München