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Jean Becks Glasgestaltung zeigt in seiner stilistischen Vielfalt eine eigene, für ihn charakteristische Reaktion auf den jeweils vorherrschenden Zeitstil. Durch die formale Reduktion erhielten die Gläser eine elegante Modernität; durch den damit einhergehenden verringerten herstellungstechnischen Aufwand ließ Beck preiswertere und damit wettbewerbsfähige Ware herstellen und über verschiedene Vertriebswege erschloss er sich breitere Absatzmöglichkeiten. Beck war gleichzeitig Entwerfer, Hersteller, Auftraggeber und Unternehmer.
Abb. 33. Jean Beck mit seinen Gläsern. Foto: Sächsisches Staatsarchiv, Staatsarchiv Leipzig, 20202 Leipziger Meßamt I
1917 hielt der Berliner Händler Ludwig Fränkel in einem Brief an die Glashütte Lötz Witwe fest: „[…] Jean Beck hat sich den hiesigen Markt, da Sie für ihn jetzt ausschalten [ausscheiden], immer mehr und mehr erobert […].“(30) Die Worte sind ein seltenes Zeugnis für Becks Erfolg gegenüber einer der bedeutendsten Glashütten der Zeit.
Seine Geschäftstüchtigkeit und pragmatische Beziehung zur Industrie, durch welche er wohl auch hohen wirtschaftlichen Erfolg erzielte, wurde ihm als Künstler und Kunstgewerbler zu Lebzeiten sowohl geneidet als auch hoch angerechnet.
Während Beck sich um den Professorentitel bemühte, schrieb der Chefredakteur der Münchener Post in einem persönlichen Brief an den Staatsrat von den „Angriffen aus Kreisen der Nur-Entwerfer“ und Becks „Attacke gegen die Alleinherrschaft der Bund-Leute.“(31) Beck erfüllte nicht mehr das klassische Berufsbild des Kunstgewerblers, der die Kunst über die Industrie stellte, und vielleicht wollte er das auch tatkräftig ändern. Er war kein Industriedesigner, der Massenprodukte entwarf – dafür waren die Hersteller, mit denen Beck zusammengearbeitet hat, nicht aufgestellt. Beck betrachtete sich als Verfechter einer anspruchsvollen, kunstgewerblichen Industrie, die sich selber trägt, und nicht als Befürworter einer billigen Massenproduktion von Großkonzernen. Für ihn war Qualität und Wert mit dem Können und Anspruch der Hersteller verbunden. Vielleicht ist Beck einer der ersten und letzten Vertreter einer Unternehmensidee, die durch fortschreitende Industrialisierung bereits vor dem Zweiten Weltkrieg ohne Zukunft war.
Text von Xenia Riemann
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